Die Fantasy-Völker:
Von Maden, Mythen und modernen Monstern
Mal ganz ehrlich: Wenn wir zusammensitzen und über Fantasy reden, landen wir doch immer bei denselben Verdächtigen. Da stapft der sture Zwerg mit der Axt über seine toten Feinde, der arrogante Elf schießt drei Pfeile gleichzeitig ab, und im Hintergrund brüllt ein grüner Ork irgendwas von Ehre und Blut. Das ist das Stereotyp in unseren Köpfen. Man muss niemandem erklären, was Phase ist. Das ist wie ein bewährtes Protokoll in der Technik, es läuft einfach direkt ab Werk.
Aber woher kommt das eigentlich? Wer hat sich das ausgedacht, warum funktioniert das so verdammt gut?
1. Das Fundament der Welten.
Unsere modernen Fantasy-Völker sind im Grunde uralte Mythen, die J.R.R. Tolkien vor knapp hundert Jahren einmal, quasi “standardisiert” und mit einem verdammt guten System-Update versehen hat.
Zwerge
Der Ur-Mythos (Woher es kommt):
Maden im Fleisch des Ur-Riesen Ymir. Geniale, magische Schmiede unter der Erde.
Das Popkultur-Update (Was daraus wurde):
Kleine, bärtige Bergbau-Profis mit schottischem Akzent, stur, bierliebend, Axt-Experten.
Elfen
Der Ur-Mythos (Woher es kommt):
Unberechenbare Naturgeister (Tuatha Dé Danann), die Alpträume verursachen.
Das Popkultur-Update (Was daraus wurde):
Unsterbliche, elegante Edel-Snobs, Meisterschützen und Hüter des uralten Wissens.
Orks
Der Ur-Mythos (Woher es kommt):
Vage Totengeister (orcneas = Höllenkadaver) im altenglischen Beowulf-Epos.
Das Popkultur-Update (Was daraus wurde):
Erst seelenlose Klon-Monster (Tolkien), dann stolze, grüne Clan-Krieger (Warcraft).
Vampire
Der Ur-Mythos (Woher es kommt):
Aufgedunsene, stinkende, purpurn-rote Leichen im slawischen Volksglauben.
Das Popkultur-Update (Was daraus wurde):
Elegante, unsterbliche Aristokraten mit exzellentem Modegeschmack (Dracula-Stil).
2. Die Ur-Zwerge: Von Maden im Fleisch zu Tolkiens Bergbau-Profis
Wenn man die skandinavische Mythologie (die Ältere Edda aus dem 13. Jahrhundert) aufschlägt, wird es erst mal ziemlich unappetitlich. Zwerge (altnordisch dvergar) entstanden laut dem Schöpfungsmythos wie Maden im verrottenden Fleisch des Ur-Riesen Ymir, aus dessen Leiche die Götter die Erde zimmerten. Die Götter fanden das Gewusel wohl mäßig cool, verpassten ihnen menschenähnliche Gestalt sowie Verstand und verbannten sie unter die Erde.
💡 Fun Fact aus der Edda: Zwerge waren die absoluten High-Tech-Ingenieure des Kosmos. Sie bauten Odins Speer Gungnir und Thors Hammer Mjölnir (der durch eine Intrige Lokis leider einen etwas zu kurzen Griff bekam). Doch ihr Meisterwerk war Gleipnir, die unzerreißbare Fessel für den riesigen Fenriswolf. Da herkömmliche Eisenketten versagten, schmiedeten die Zwerge ein seidendünnes Band aus sechs unmöglichen Zutaten:
1. Dem Geräusch von Katzenpfoten 🐾
2. Dem Bart einer Frau 🧔♀️
3. Den Wurzeln eines Berges 🏔️
4. Den Sehnen eines Bären 🐻
5. Dem Atem eines Fisches 🐟
6. Dem Speichel eines Vogels 🐦
Das ist reines High-Tech-Engineering auf magischer Basis!
3. Die Elfen: Vom fiebrigen Albtraum zu den unnahbaren Edel-Snobs
Das Wort “Elf” (oder Alp, Albi) klingt heute nach Legolas, Harfenmusik und weisen Sprüchen. Im deutschen Volksglauben waren Albe dagegen fiese, nächtliche Plagegeister. Wenn du morgens mit Atembeschwerden, schwerer Brust oder Schweißausbrüchen aufgewacht bist, hatte sich nachts ein “Alp” auf deine Brust gesetzt, daher kommt historisch unser Wort Alptraum!
In den keltischen Mythen waren sie wiederum als Tuatha Dé Danann bekannt: ein wunderschönes, aber extrem grausames, launisches und unberechenbares Volk, das in Hügelgräbern hauste. Wer sich auf ihre Tänze einließ, verlor den Verstand – oder die Zeit.
⏳ Die Zeitdilatation der Anderswelt: In der keltischen Mythologie vergeht die Zeit in den Hügeln der Elfen anders. Zehn Minuten, die du mit den Elfen beim Met verbringst, können in der echten Welt 100 Jahre sein. Wenn du glücklich aus dem Hügel stolperst, zerfällt deine Familie längst zu Staub.
Tolkien hatte irgendwann keine Lust mehr auf die winzigen, niedlichen “Zahnfeen”-Elfen des viktorianischen Englands. Er wollte die majestätischen Lichtwesen zurück. Also verpasste er ihnen Unsterblichkeit, die melancholische Trauer über den Verfall der Welt und machte sie zu den unfehlbaren Hütern der Schöpfung.
4. Die Orks: Die absoluten Newcomer der Fantasy
Hier täuscht uns oft das Gefühl: Orks sind kein uralter Mythos. Sie sind eine moderne Erfindung, ein genialer popkultureller System-Hack. Das Wort Orc taucht zwar ganz am Rande im altenglischen Epos Beowulf auf (als orcneas), aber niemand wusste so recht, was das sein soll.
Die Sprachwissenschaft zeigt uns jedoch den wahren, schaurigen Kern des Wortes:
Orc leitet sich wahrscheinlich vom lateinischen Orcus (dem Gott der Unterwelt und des Todes) ab.
Neas bedeutet im Altenglischen schlichtweg „Leichen“.
Orcneas sind also etymologisch „Höllen-Kadaver“ oder „Dämonen-Leichen“!
Im Beowulf werden sie als eine der verfluchten Kreaturen beschrieben, die von Kain (dem ersten Brudermörder der Bibel) abstammen. Tolkien – der als Oxforder Professor für Altenglisch dieses Epos in- und auswendig kannte – schnappte sich dieses fast tote Wort und baute daraus das personifizierte, industrialisierte Böse: in seiner Welt waren Orks das Resultat von Folter und schwarzer Magie – mutierte, gefolterte Elfen.
Den echten, coolen Dreh, den wir heute kennen (stolze Clan-Kultur, Schamanismus, Ehre, grüne Haut), haben ihnen erst Spiele wie Warhammer und vor allem Warcraft in den 90ern verpasst. Da wurden aus den seelenlosen Monstern plötzlich ein echtes Volk mit eigener Moral.
5. Grenzgänger: Wann wird ein Monster zum Volk?
Vampire und Werwölfe. Ursprünglich sind das reine Gothic-Horror-Elemente – verfluchte Individuen, keine Ethnien. Aber die moderne Fantasy zeigt, wie man daraus echte Völker baut. Ein Volk definiert sich schließlich über gemeinsame Regeln, Kultur und Interaktion.
Vampire als die ewigen Konservativen
Vergiss den glitzernden Edward oder den eleganten Grafen Dracula im Frack. Im historischen osteuropäischen Volksglauben waren Vampire aufgedunsene, stinkende Bauernleichen mit rötlich-purpurner Haut (hervorgerufen durch die natürliche Blutansammlung nach dem Tod, die sogenannte Totenstarre und Livor Mortis). Erst die Romantik des 19. Jahrhunderts machte sie zu den adligen Snobs, die wir heute kennen.
Wenn man dieses Adels-Thema konsequent weiterdenkt, sind Vampire das ultimative Volk im absoluten Stillstand:
📌 Eine Kultur von unsterblichen Adeligen, in der sich seit 800 Jahren keine politische Meinung, keine Mode, kein Gesetz und keine Kunstrichtung geändert hat. Warum? Weil die Herrschenden einfach nie sterben und somit niemals Platz für die nächste Generation und neue Ideen machen. Eine Gesellschaft, die in ihrer eigenen Nostalgie erstickt.
Werwölfe als indigene Rudel-Gemeinschaft
Vom einsamen, tragischen Fluch im staubigen Mittelalter hin zum stolzen, naturverbundenen Stammesvolk in der modernen Fantasy. Sie teilen eine kollektive Identität, spirituelle Riten und eine strikte biologische Hierarchie (Alpha, Beta), die weit über den eigentlichen “Fluch” hinausgeht. Sie sind das absolute Gegenteil der hyper-individualistischen Vampire: bedingungslose Loyalität, familiärer Zusammenhalt und rohe Naturkraft.
6. Locker bleiben beim Worldbuilding
Der beste Rat für das Design von Fantasy-Völkern: Verbessert eure Welten nicht zu Tode mit 50 Seiten Hintergrundgeschichte, die am Ende eh kein Schwein liest! Es muss sich im Moment, in der Szene, im Gespräch natürlich anfühlen.
Man muss das Rad nicht jedes Mal neu erfinden. Nehmt euch die Klassiker, versteht, woher sie kommen, greift euch ein oder zwei logische Stellschrauben (wie die Biologie, die Wirtschaft oder die Etymologie) und dreht sie um 180 Grad. Genau so entstehen Welten, über die man sich noch in Jahren begeistert unterhalten kann.
💬 Jetzt seid ihr dran!
Welches Fantasy-Volk ist euer liebstes, habt ihr schon selbst eines entworfen und woher kommt es?
Schreibt es mir unten in die Kommentare
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Ich bin ein totaler Vampir und Werwolf Fan🤭 in meiner neuen Geschichte geht es aber dieses Mal um einen Weltenkrieger. Ob's so was schon gibt? Ziemlich sicher. Aber eigentlich egal, weil ich meinen eigenen erschaffe. 😊
Ich hab mir tatsächlich ne eigene Gattung Elfen für mein Buch erfunden. Und ein Faun spielt auch mit. Aber davon schreib ich hier erst, wenn ich mit der Überarbeitung fertig bin 🤗